Ich möchte meine Erfahrungen der letzten 4 Wochen mit euch teilen und komme dabei zu folgender Antwort: Ja, aber ich würde nicht sagen komplett umsteigen, sondern vielmehr es als sinnvolle Ergänzung zu Meshtastic ausprobieren, um seine eigenen Erfahrungen zu machen.

Kurz zu mir und meiner Art Meshcore zu testen. Ich bin Mario, DM1MJ, QTH ist in Langenlonsheim. Das ist in Rheinland-Pfalz, zwischen Bingen am Rhein und Bad Kreuznach. Aktuell ist hier, was Meshcore betrifft sehr wenig los. Von daher auch eine gute Möglichkeit in das Thema unbelastet einzusteigen.
Meine Meshcore-Erfahrungen haben im schönen Allgäu in Oberstdorf angefangen. Ich war mit meiner Frau zwischen den Jahren zu Besuch bei Freunden, die ich tatsächlich alle vor einigen Jahren durch das Funken kennengelernt habe. Bis heute hat sich eine schöne Freundschaft entwickelt.

Im Allgäu ist im Gegensatz zu Bingen, Bad Kreuznach, Wiesbaden, Mainz, usw. echt was los. Innerhalb von 12 Stunden nach Start meines Companion-Nodes war meine Kontaktliste mit 350 anderen Nodes (Repeater und Compagnions) voll. „Wow, das ist ja der Wahnsinn, was hier abgeht.“ Und auch Nachrichten haben funktioniert. Ich war im wahrsten Sinn des Wortes „geflasht“.

Bei einem Blick auf die Meshcore-Map, die in der Bluetooth-App angezeigt wird, hatte ich Stationen von der Schweiz bis nach München und sogar bis nach Hannover. Ob es dann auch tatsächlich mit der Übermittlung von Nachrichten bei so weiten Entfernungen funktioniert, habe ich nicht ausprobiert. Meine Tests und der Umgang mit dem Meshcore-System hat sich mehr auf die lokalen Stationen innerhalb von 20-30 Kilometer Entfernung abgespielt.
Im Ergebnis kann ich sagen, dass nicht jede Nachricht angekommen ist, aber die Benachrichtigung innerhalb des Systems, ob eine Nachrichtenübermittlung erfolgreich oder eben nicht erfolgreich war, das funktioniert einwandfrei.

Im Allgäu gibt es bereits eine sehr gute Infrastruktur mit strategisch gut aufgestellten Repeatern, so dass auch größere Entfernungen gut funktionieren. Ich war mit vielen OM´s im regelmäßigen Austausch, überwiegend über die Meshcore-App um sich gegenseitig mit Informationen und Erfahrungen zu dem Thema zu versorgen. In den 8 Tagen Urlaub bekam ich einen guten Eindruck von Meshcore und was möglich ist, wenn die Basis stimmt.
Für mich war klar, dass ich Meshcore auch in unserer Region fortsetzten möchte. Insbesondere will ich den Aufbau einer technischen Infrastruktur in meiner Umgebung vorantreiben und stehe dazu u. a. mit Jonas (DN9EER) und Michael (DC9VQ) im engen Austausch. Jonas deckt die Gegend rund um den Trutzturm bei Nierstein ab.

Jeder ist herzlich willkommen in das Projekt einzusteigen! Natürlich auch nicht Funkamateure, denn für diese Frequenz ist keine Lizenz erforderlich.

Ca. 2 Wochen später stehen nun auch die ersten drei Repeater im Raum Langenlonsheim, Binger Rochusberg und in der Näher des Klosters Jacobsberg. Rund um den Trutzturm bei Nierstein stehen ebenfalls Repeater und decken dort die Gegend ab.

Repeater am Jacobsberg bei Bingen. Sicher gegen Wettereinflüsse in einer Frischhaltebox verpackt. Die Stromversorgung läuft über eine Powerbank.


Fast jeden Tag kommen Stationen dazu. Oft wollen sie das System ausprobieren und freuen sich, wenn sie andere Stationen kontaktieren können. Viele verschwinden auch wieder, wenn der erste Test erfolgreich war. Auch im Bereich Darmstadt, Groß-Gerau tut sich etwas und es gab schon erfolgreiche Direktverbindungen zwischen Groß-Gerau, dem Trutzturm und Langenlonsheim. Natürlich haben hierbei Reflexionen geholfen. Aber daran ist zu erkennen, was alles möglich ist.

Welche Hardware und welche Software benötige ich für einen gelungenen Einstieg in Meshcore?

Ein Lora-Modul, entweder mit einem ESP32- oder einem RAK4631-Chipsatz mit einem Funkmodul, dass auf 868 MHZ senden und empfangen kann. Ein günstiger und guter Einstieg ist z. B. das Heltec V3 Modul. Älter sollte es nicht sein.
Am besten eine externe Antenne, da der mitgelieferte Antennenstummel für weitere Funkstrecken nichts taugt. Entweder nimmt man eine externe Antenne mit Magnetfuß, z. B. eine Bingfu 868 MHz LoRa Antenne mit SMA-Stecker oder eine Rundstrahlerantenne mit SMA-Stecker, die direkt an das Loramodul angeschraubt werden kann.
USB-C-Kabel, dass auch Daten zwischen PC und Lora-Modul austauschen kann.
Ein USB-Ladegerät, dass z. B. auch für Smartphones verwendet wird, um die Stromversorgung sicher zu stellen. Eine Powerbank kann hier auch funktionieren.

Wenn dann die Hardware vorhanden ist, dann geht es darum die Firmware auf das Modul zu spielen. Ähnlich wie bei Meshtatsic gibt es hier auch einen Webflasher, siehe https://flasher.meshcore.co.uk/
Aber bevor es mit dem flashen los geht, sollte sich jeder gut überlegen, welche Rolle er seinem Lora-Modul vergeben möchte. Und das ist auch einer der großen positiven Unterschiede zu Meshtastic.
Bei Meshcore ist die Rollenverteilung strikter als bei anderen Systemen (wie Meshtastic). Anstatt eine „Alles-Könner-Firmware“ zu haben, entscheidest du dich beim Flashen für einen spezifischen Zweck. Das macht das System stabil und effizient.

Hier sind die wesentlichen Rollen und ihre Merkmale:

1. Companion (Endgerät)
Dies ist die Rolle für dein tägliches Gerät (z. B. ein Heltec V3 in einem kleinen Gehäuse oder ein Sensecap T1000e), das du in der Tasche trägst.
Hauptmerkmal: Dient als Schnittstelle zum Smartphone oder PC.
Verbindung: Kommuniziert per Bluetooth (BLE) oder USB-Serial mit der App.
Routing: Ein Companion leitet keine fremden Nachrichten weiter. Er sendet und empfängt nur für dich. Das spart massiv Akku und „verschmutzt“ nicht das Funknetzt durch unnötige Weiterleitungen.

2. Repeater (Infrastruktur)
Ein Repeater ist der „Arbeiter“ im Hintergrund. Er sollte an einem hohen Ort (Dach, Balkon, Berg) platziert werden. Hauptmerkmal: Leitet Nachrichten anderer Teilnehmer weiter, um die Reichweite des Netzes zu vergrößern.
Hardware: Hat oft kein Bluetooth aktiviert, um Strom zu sparen und stabil zu laufen.
Verwaltung: Wird nur über den PC (USB) oder per „Remote Management“ über Funk konfiguriert.
Wichtig: Ein Repeater „sieht“ keine Nachrichten in einer App; er fungiert rein als Relaisstation.

3. Room Server (Speicherknoten)
Diese Rolle ist eine Besonderheit von Meshcore und funktioniert wie ein schwarzes Brett oder ein kleiner Mail-Server.
Hauptmerkmal: Speichert Nachrichten (meist die letzten 50–100 Stück) zwischen.
Nutzen: Wenn dein Companion ausgeschaltet war und du ihn einschaltest, „fragt“ er den Room Server nach verpassten Nachrichten und lädt diese nach.
Kombination: Room Server können oft gleichzeitig als Repeater fungieren.

4. Tracker / Sensor (Spezialanwendung)
Tracker: Sendet in festen Intervallen GPS-Positionen (ideal für Fahrzeuge oder Ausrüstung). Optimiert auf minimalen Energieverbrauch und Schlafmodus zwischen den Sendungen.
Sensor: Liest Daten wie Temperatur oder Luftfeuchtigkeit aus und sendet diese ins Mesh.

Bevor ich mich nun festlege, empfehle ich einen Blick auf die Meshcore-Map. https://meshcore.co.uk/map.html
Auf der Map ist eine Übersicht, was in meiner Region überhaupt los ist. Hier kann ich auch erkennen, ob und wie viele Repeater es bei mir schon gibt. Im Allgäu hätte es für mich keinen Sinn gemacht, ein Lora-Modul als Repeater zu konfigurieren, da schon die wichtigsten Stellen mit Repeatern besetzt waren.

Was passiert, wenn ich aus Unwissenheit trotzdem einen Repater unnötig aufstelle?
Bei Meshcore hält sich der „Schaden“ im Vergleich zu anderen Systemen (wie Meshtastic) stark in Grenzen.

Durch die Architektur von Meshcore ist das System deutlich resistenter gegen „gut gemeinte, aber unnötige“ Repeater. Dennoch gibt es Effekte, die du kennen solltest.
Warum es bei Meshcore weniger schlimm ist. Der Hauptgrund ist das Routing-Verfahren:

Kein blindes Fluten: Während bei Meshtastic (standardmäßig) fast jeder Node jedes Paket wiederholt (Flooding), nutzt Meshcore für Direktnachrichten Source Routing. Das bedeutet: Sobald ein Weg zwischen zwei Personen gefunden wurde, nutzen die Nachrichten nur noch diesen spezifischen Pfad. Dein zusätzlicher Repeater wird einfach ignoriert, wenn er nicht Teil des effizientesten Pfades ist.

Companion-Nodes schweigen: Da die Endgeräte (Companions) bei Meshcore niemals Nachrichten wiederholen, gibt es weniger „Lärm“ an der Basis.

Wo dennoch Probleme entstehen können.
Auch wenn Meshcore klug ist, erzeugt ein unnötiger Repeater in einem bereits dichten Gebiet folgende Effekte:

Zusätzliche Airtime bei der Pfadsuche: Wenn eine neue Nachricht (z. B. eine Rundsendung im öffentlichen Kanal) verschickt wird, wird diese zunächst „geflutet“, um den Weg zu finden. Dein Repeater sendet diese Nachricht dann ebenfalls aus. In einem dichten Netz erhöht das die Kanalbelegung (Airtime) unnötig.

Das „Verwirren“ der Routing-Tabellen: Wenn dein Repeater zwar gut empfängt, aber eine schlechte Antenne zum Senden hat (ein sogenannter „Ear-only-Node“), könnten andere Nodes versuchen, über dich zu routen. Wenn dein Repeater die Antwort dann nicht stark genug zurücksendet, bricht die Kommunikation ab, obwohl ein anderer, besserer Repeater in der Nähe gewesen wäre.


Signal-Kollisionen: Wenn zwei Repeater fast gleichzeitig dasselbe Paket wiederholen, können sie sich gegenseitig auslöschen (Interferenz). Meshcore hat zwar Schutzmechanismen dagegen, aber je mehr Repeater auf engem Raum sind, desto höher ist das Risiko für Paketverluste.

Die „Goldene Regel“ für Meshcore-Repeater.
Um keinen Schaden anzurichten, solltest du folgende Punkte prüfen:
Standort: Steht dein Repeater nur im Erdgeschoss am Fenster? Dann stört er wahrscheinlich mehr, als er hilft, da er das Signal nur lokal reflektiert.
Sichtverbindung: Ein Repeater macht nur Sinn, wenn er eine neue Fläche abdeckt oder eine Lücke zwischen zwei bestehenden Repeatern schließt.
Analyse: Nutze den Web-Client, die Map oder die APP, um zu sehen, wie viele Repeater du bereits hörst. Wenn du in deiner Liste schon 5-10 Repeater mit einem SNR von über +5 dB hast, braucht dein Standort höchstwahrscheinlich keinen weiteren Repeater.

Meine Empfehlung ist, der erste Node ist als Companion zu flashen!
Dann lässt man diesen an einem guten Standort im Haus oder seinem Grundstück, am besten mit einer externen Antenne für 1 oder 2 Tage laufen und schaut, was in seiner Region überhaupt los ist.
Damit dein neuer Companion-Node nun auch im Netzt bekannt wird, ist es wichtig regelmäßig einen „Advert Flood Routed“ auszusenden. Das kann jeder in der App manuell anstoßen.


Bevor es aber mit dem „Live-Betrieb“ los geht, ist noch die Wahl des richtigen „Presets“ (Funkeinstellungen) zu treffen, da das gesamte Netzwerk (alle Repeater und Nodes) auf denselben Parametern funken muss, um sich gegenseitig zu „hören“.
Hier ist die Übersicht über die Presets für Europa und die Erklärung, warum EU/UK Narrow aktuell der Goldstandard ist.

Die Parameter im Detail:

1. Maximale legale Leistung (500 mW)
In Europa ist der Bereich um 869.4 bis 869.65 MHz besonders wertvoll. In diesem schmalen Fenster darf man mit bis zu 500 mW (27 dBm) senden und hat einen Duty Cycle von 10% (statt nur 1% in anderen Bändern).
Das Narrow-Preset ist exakt so konfiguriert, dass es perfekt in dieses „Power-Fenster“ passt.
Mit einem Heltec V4 kann die maximale Leistung von 27 dBm voll ausgereizt werden. Im Vergleich, ein Heltec V3 kann „nur“ 22 dBm Sendeleistung.

2. Höhere Störfestigkeit & Effizienz
Durch die schmale Bandbreite von 62.5 kHz (statt 250 kHz bei EU/UK Long Range ) wird das Signal konzentrierter übertragen:
Schutz vor Rauschen: Es ist weniger wahrscheinlich, dass breitbandige Störsignale Ihre Nachricht „verschlucken“.
Frequenz-Dichte: Es passen theoretisch mehr Kanäle nebeneinander, ohne sich zu stören.

3. Schnelligkeit durch niedrigeren Spreading Factor (SF8)
Der Spreading Factor (SF) ist eines der Herzstücke der LoRa-Technologie (Long Range), die der Heltec Node nutzt. Vereinfacht gesagt beschreibt er, wie stark ein Datensignal über die Zeit „gestreckt“ oder „verteilt“ wird, um es robuster gegen Störungen zu machen.
Man kann sich das wie beim Sprechen vorstellen:
Ein niedriger SF ist wie schnelles, kurzes Sprechen.
Ein hoher SF ist wie sehr langsames, deutliches Artikulieren jedes einzelnen Buchstabens, damit man auch bei starkem Wind auf große Entfernung noch verstanden wird.

Obwohl die Bandbreite schmaler ist, nutzt das Narrow-Preset einen SF8. Das bedeutet:
Die Nachricht ist kürzer in der Luft (Airtime) als bei SF10 oder SF11.
Das führt zu einer gefühlt schnelleren Übertragung von Textnachrichten und schont den Akku, da der Sender kürzer aktiv ist. In Mesh-Netzwerken ist kurze Airtime wichtig, um Kollisionen zu vermeiden (wenn zwei Nodes gleichzeitig senden).

Für den Start in das Thema Meshcore sind das erst einmal die wichtigsten Parameter, die es zu beachten gilt. Ich werde weiterhin über meine Erfahrungen berichten. Vielleicht sehen wir uns in den nächsten Wochen auch von Node zu Node und können Textnachrichten austauschen.


Bei Fragen bin ich per Funk über den DB0FT, DMR – TG 26269 oder per E-Mail (mario.jeschke@gmail.com) zu erreichen.
73, DM1MJ

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