Dieser Beitrag richtet sich an Funkamateure, die neu in das spannende Hobby des Amateurfunks eingestiegen sind oder sich bisher mit der Betriebsart Digitalfunk wenig oder gar nicht auseinander gesetzt haben.
Digitalfunk hat sich in den letzten Jahren technisch stark weiterentwickelt und ist heute deutlich mehr als nur eine Randerscheinung. Die Gründe sind vielfältig. Ein Grund kann sein, dass der Wohnort es nicht zu lässt, große Kurzwellenantennen aufzustellen („Antennengeschädigt“). Ein weiter Grund ist oft das Argument, der zu geringen Ausgangsleistung. Das höre ich oft von DN9-Rufzeichen-Inhabern. Na ja 10 Watt ERP sind auch nicht wirklich viel, so dass ich es nachvollziehen kann, dass die Motivation eher gering ist, sich mit der Kurzwelle auf dem 10-Meter-Band auseinander zu setzten. Einige haben deswegen nun auf die Klasse E oder A aufgestockt um das Dilemma für sich zu lösen. Neben den erhöhten Ausgangsleistungen gibt es natürlich weitere Vorteile, z. B. die Erweiterung des Frequenzbandes.
Nicht jeder möchte aber den Stress des erneuten Lernens auf sich nehmen und bleibt erstmal bei seiner Einsteigeklasse, bzw. das Problem, keine „große“ Kurzwellenantenne an seinem Wohnort aufzustellen, wird auch nicht durch die Rufzeichenklasse gelöst.
Dafür bietet der Digitalfunk hervorragende Möglichkeiten, mit einem Handfunkgerät, ggf. kleiner Außenantenne und/oder einem Hotspot die QSO-Reichweite von wenigen Kilometern auf die ganze Welt mit einem Schlag zu vergrößern.
C4FM, DMR, D-Star oder das FM-Funknetz machen es möglich.
Dies sind unterschiedliche Protokolle zur digitalen Sprachübertragung (Digital Voice) im Amateurfunk. Sie dienen dazu, Sprache in Datenpakete umzuwandeln, was eine rauschfreie Übertragung und die weltweite Vernetzung über das Internet ermöglicht.
Hier ist eine kurze Übersicht der Systeme:
C4FM (Yaesu System Fusion): Ein von der Firma Yaesu entwickeltes System. Es gilt als besonders einsteigerfreundlich, da viele Geräte automatisch zwischen Analog (FM) und Digital (C4FM) umschalten können (Automatic Mode Select).
Hinweis: Hier geht es zu einem ausführlichen Artikel, wie der Einstieg und die Betriebsart funktioniert.
DMR (Digital Mobile Radio): Ursprünglich ein kommerzieller Standard für Betriebsfunk, der im Amateurfunk sehr weit verbreitet ist. Es nutzt zwei „Zeitschlitze“, sodass zwei Gespräche gleichzeitig auf einer Frequenz stattfinden können. Die Programmierung der Geräte (Codeplug) ist etwas komplexer für Anfänger.
D-Star (Digital Smart Technologies for Amateur Radio): Das älteste der drei Systeme, primär von Icom vorangetrieben. Es war das erste System, das speziell für den Amateurfunk entwickelt wurde und bietet umfangreiche Routing-Funktionen für weltweite Gespräche.
Hinweis: Werde ich in diesem Artikel nicht weiter beschreiben.
FM-Funknetz: Dies ist kein digitales Protokoll an sich, sondern ein Verbund von klassischen analogen FM-Relais. Über eine Internet-Anbindung werden diese Relais miteinander vernetzt, sodass man mit einem ganz normalen analogen Handfunkgerät über regionale Grenzen hinweg funken kann.
Wichtig für dich: Die digitalen Systeme sind untereinander meist nicht direkt kompatibel. Wenn du also mit jemandem in DMR sprechen willst, brauchst du in der Regel auch ein DMR-Gerät (es sei denn, du nutzt spezielle Brücken, sogenannte „Bridges“ oder Crossmode-Hotspots).
Hinweis: Werde ich in diesem Artikel nicht weiter beschreiben.
„DMR ist das aufwendigste System um ein einfaches QSO zu führen, auf die ganzen Einstellungen habe ich keine Lust!“
So oder so ähnlich ist es mir auch gegangen. Und ja, leider stimmt es zum Teil. Aber so schwer ist es dann doch nicht und die anfänglichen Mühen haben sich auf jeden Fall gelohnt.
Wie gehe ich nun am besten vor, damit der Start in das Thema DMR nicht zum Frust führt?
Anhand dieser Liste bin ich vorgegangen, sicherlich gibt es noch weitere gute Möglichkeiten, sich dem Thema erfolgreich zu nähern:
+ Prüfen meiner Wohnortlage, ob ich einen DMR-Repeater erreiche. Auf dieser Übersicht (Repeatermap.de) sehe ich alle aktuellen Repeater, sowohl analog als auch digital.
+ Erreiche ich einen DMR-Repeater mit meinen Bordmitteln? Dabei meine ich kleine Leistung und ggf. einer Außenantenne am Balkon oder nur mit einem Handfunkgerät?
+ Ich benötige ein DMR-fähiges Funkgerät. Hier bieten sich schon günstige und gute Modelle an, Kosten ca. 65 Euro. Ein DMR-Funkgerät kann natürlich auch für den analogen 2-Meter und 70-CM-Betrieb genutzt werden. Und Funkgeräte kann „Mann“ ja nie genug haben 🙂
+ Wenn ich einen DMR-Repeater analog erreiche, dann ist kein Hotspot nötig. Wenn das Erreichen eines DMR-Repeaters über die analoge Funkstrecke scheitert, dann ist ein MMDVM-Hotspot (Multi-Mode Digital Voice Modem) nötig um die Verbindungen zu ermöglichen.

+ Der Codeplug, der einem oft Kopfschmerzen bereitet. Das ist aber nicht so. Mein erster Codeplug für die Firmware OpenGD77 auf meinem Baofeng DMR 1701 habe ich von Arthur Kunze (Youtube Funkwelle) kostenlos mir herunter laden können. Und mit diesem Codeplug konnte ich meine ersten Versuche starten und das System verstehen zu können. Im Laufe der Zeit habe ich dann daraus meinen individuellen Codeplug erstellt.
+ Ist das Installieren der Firmware OpenGD77 für ein Funkgerät immer nötig? Nein, das hängt immer davon ab, mit welchem Funkgerät ich in die DMR-Welt einsteigen möchte. Für das Baofeng 1701 war es sinnvoll, das zu tun, damit das Erstellen des Codeplugs und die weitere Bedienung des Gerätes mir einfacher von der Hand geht. Mit der Original-Firmware geht es auch, da habe ich aber keine Erfahrung. Für das flashen der Firmware gibt es im Internet zahlreiche Anleitungen, u. a. bei Funkwelle.
+ Hier nochmal ein paar Infos zu dem Kauf eines Hotspots und wofür dieser gut ist.
Übertragung der Funkwellen zum Hotspot: Dein Funkgerät sendet ein DMR-Signal mit sehr geringer Leistung (ca. 10 mW) an den Hotspot.
Umwandlung: Der Hotspot empfängt das Signal.
Internet-Brücke: Über eine Software (meist Pi-Star) leitet der Hotspot die Sprachdaten in das weltweite DMR-Netz (z. B. BrandMeister) weiter.

- Reichweite: Nur etwa 10 bis 50 Meter rund um das Gerät – es ist nur für dich privat gedacht.
- Vielseitigkeit: MMDVM bedeutet „Multi-Mode“ – die meisten Hotspots können neben DMR auch C4FM, D-Star und P25.
- DMR-ID: Um einen Hotspot im DMR-Netz zu nutzen, musst du dein Rufzeichen einmalig registrieren, um eine persönliche 7-stellige DMR-ID zu erhalten.
- Hardware: Es gibt fertige Boxen (wie den „JumboSpot“ oder „ZUMSpot“). Weiterhin gibt es auch fertige Lösungen z. B. bei Aliexpress. Kosten ca. 60 Euro.
Oder man baut ihn aus einem Raspberry Pi Zero und einem MMDVM-Board selbst zusammen.
Was sind eigentlich Talkgroups (TG) und was ist das Brandmeister Netzwerk?
Das Verständnis von Talkgroups ist der Schlüssel zum DMR-Funk. Man kann es sich wie ein riesiges, weltweites Telefonsystem mit unzähligen Konferenzräumen vorstellen.
Eine Talkgroup ist ein virtueller Sprechfunkraum. Da DMR digital ist, können über dieselbe Leitung (oder denselben Server) tausende Gespräche gleichzeitig laufen. Die Talkgroup-Nummer sagt dem Netzwerk, wer wen hören soll. Man unterscheidet sie meist nach ihrer geografischen oder thematischen Ausrichtung.
Beispiele für Talkgroup (TG) Bedeutung / Bereich:
TG 91 Weltweit (hier wird meist Englisch gesprochen)
TG 262 Ganz Deutschland
TG 26269 Hessen Rheinland Pfalz
TG 2620 Sachsen-Anhalt / Sachsen / Thüringen
TG 9112 EmComm (Notfunk weltweit)
Wenn du dein Funkgerät auf die TG 262 einstellst und die Sprechtaste drückst, wird dein Signal an alle Relais und Hotspots in Deutschland übertragen, die gerade diese Talkgroup geschaltet haben.
Statische vs. Dynamische Talkgroups: Das ist besonders für die Nutzung eines Hotspots wichtig:
Statisch: Du sagst deinem Hotspot (über das Pi-Star Dashboard), dass er eine bestimmte TG (z. B. 262) immer empfangen soll. Sobald dort jemand spricht, hörst du es.
Dynamisch: Du drückst an deinem Funkgerät kurz die Sprechtaste auf einer TG, die nicht fest in deinem Hotspot hinterlegt ist. Der Hotspot „abonniert“ diese Gruppe dann für dich (meist für 10-15 Minuten). Wenn du nichts mehr sagst, verschwindet sie wieder.
Wichtiger Hinweis für Klasse N: Auch wenn du über DMR weltweit funken kannst, bleibst du rechtlich ein deutscher Funkamateur. Du darfst über die TG 91 also mit jemandem in Japan sprechen, solange du dich an die Regeln für die Klasse N hältst (auch wenn dort andere Gesetze gelten).
Wie sieht das aktuell aus, wenn du mit einem Hotspot Funkbetrieb z. B. in Spanien als Klasse-N-Rufzeicheninhaber betreiben willst?
Keine CEPT-Zulassung für Klasse N!
Im Gegensatz zur Klasse E (CEPT Novice) oder Klasse A (CEPT Radio Amateur License) ist die Klasse N nicht international harmonisiert. Es gibt für sie aktuell keine CEPT-Empfehlung.
Das bedeutet: Dein DN9-Rufzeichen ist im Ausland rechtlich nicht anerkannt. Du darfst dort also kein Funkgerät in die Hand nehmen und senden, weder auf 2m/70cm noch auf 10m.
Digitalfunk über den Hotspot – Hier wird es etwas „grau“, aber rechtlich eindeutig:
- Über HF (Funk): Wenn du deinen Hotspot in Spanien einschaltest und mit deinem DMR-Handfunkgerät zum Hotspot sendest, findet eine Aussendung auf einer Funkfrequenz statt. Da du in Spanien keine Sendegenehmigung hast, ist dies offiziell nicht gestattet.
- Reine Internet-Nutzung: Würdest du eine App (wie DroidStar oder Peanut) auf dem Smartphone nutzen, die rein über das Internet (ohne HF-Aussendung) in das DMR-Netz streamt, wäre das unproblematisch, da dies kein „Amateurfunk im Sinne des Gesetzes“ (über Funkwellen) ist.
Gastlizenzen
Da die Klasse N unterhalb der CEPT-Novice-Klasse (E) angesiedelt ist, stellen die meisten Länder derzeit keine Gastlizenzen für Inhaber der deutschen Klasse N aus.
Was ist das Brandmeister Netzwerk?
Das Brandmeister-Netzwerk ist einer der weltweit größten Verbünde von Amateurfunk-Servern. Es verbindet digitale Relais und Hotspots miteinander.
Stell dir Brandmeister als die Infrastruktur (die Vermittlungsstelle) vor, die dafür sorgt, dass dein Signal von deinem Hotspot zu einem Funker in den USA oder nach München geleitet wird.
Es verwaltet die Benutzer (über deine DMR-ID) und die verschiedenen Gesprächskanäle.

Die DMR-ID ist quasi dein digitales Kennzeichen. Ohne sie bleibt dein Funkgerät im DMR-Netz stumm, da die Server (wie Brandmeister) wissen müssen, wer gerade sendet.
Die DMR-ID dient zur Identifikation. Da DMR ein digitales Protokoll ist, wird nicht dein Name, sondern eine 7-stellige Nummer übertragen. Diese Nummer ist fest mit deinem Rufzeichen (DN9…) verknüpft.
Wenn du sendest, schlägt das Funkgerät des Gegenüber in einer Datenbank nach und zeigt sofort dein Rufzeichen und deinen Namen im Display an.
Der Weg zur eigenen DMR-ID (Schritt-für-Schritt) – Die Vergabe erfolgt zentral über die Webseite RadioID.net.
- Vorbereitung: Scanne deine Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst (die Urkunde von der BNetzA für dein Rufzeichen) als PDF oder JPG ein. Das ist dein Nachweis.
- Registrierung: Gehe auf RadioID.net.
- Konto erstellen: Wähle „User Registration“ und gib deine E-Mail-Adresse sowie dein Rufzeichen an.
- Dokument hochladen: Lade die Kopie deiner Zulassungsurkunde hoch.
- Warten: Ein Team von Freiwilligen prüft deinen Antrag (dauert meist 24 bis 48 Stunden).
- Erhalt: Du bekommst eine E-Mail mit deiner 7-stelligen ID (für Deutschland beginnt diese meist mit 262… oder 263…).

Wichtiger Hinweis: Beantrage bitte nur eine einzige ID. Für weitere Geräte oder Hotspots nutzt man „ESSIDs“ (man hängt einfach -01, -02 etc. an die ID im Gerät an), man braucht aber kein neues Konto. Sobald du die ID hast, musst du dich auch noch im Brandmeister-Netz (brandmeister.network) mit der neuen ID registrieren, um ein Passwort für deinen Hotspot (das sogenannte Hotspot Security Password) festzulegen. Es sind dann bei Brandmeister zwei Kennwörter von dir zu vergeben. Einmal für deinen Account mit der DMR-ID und einmal für deinen Hotspot. Das ist am Anfang etwas verwirrend.
Ich nutze Digitalfunk seit etwas mehr als 2 Jahren. Aufgrund der oben genannten Hürden, habe ich mich auch „zu lange“ vor DMR gedrückt. Ich hatte das Glück, dass ich von zwei OM´s (DF6FD und DC9VQ) bei meinem Einstieg gut unterstützt wurde, so dass die anfänglichen Hürden schnell überwunden waren. Nach ca. drei monatiger Nutzung möchte ich DMR nicht mehr missen. Ich hoffe, ich konnte dich gut für einen Einstieg informieren und freue mich auf gemeinsame QSO´s z. B. auf der TG 26269 (Hessen Rheinland Pfalz)
Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Entweder per Funk (DB0FT, TG 26269) oder per E-Mail (mario.jeschke@gmail.com).
73, dm1mj